Hintergrund Reflexempfänger
1- Röhren- Reflex- Empfänger, Foto aus 19213-03 "Radio Engineering"
Der "Reflex- Empfänger" ist eine spezielle Empfängerklasse, bei der im Signalweg "vorn" liegende Hochfrequenz- Stufe/n zur Verstärkung einer niedrigeren Frequenz verwendet werden.
Es müssen möglichst weit auseinanderliegende Frequenzen sein, die niedrigere Frequenz kann die Niederfrequenz hinter einem Audion oder Detektor sein, aber auch eine sehr niedrige Zwischenfrequenz.
Selbst ein Audion konnte mit einer Röhre die selbst erzeugte NF noch einmal verstärken.
Durch die doppelte Nutzung der Verstärkerstufe/n konnten Kosten für eine weitere Röhre erspart und Schaltungen verbessert werden.
1- Röhrenschaltungen konnten ggf. eine ausreichende Lautstärke für einen Lautsprecher erreichen.
Die Schaltungen waren oft abhängig von der genauen Einstellung der Arbeitspunkte, und aufgrund von Alterungseinflüssen und gegenseitiger Beeinflussung der Frequenzen oft auch nicht sehr stabil.
Beispiel Geradeausempfänger, nur 1 Röhre
Dazu wird die NF "nach vorn zurückgeleitet".
Wie geschrieben, kann dies bereits in EINER Stufe durchgeführt werden.
Es gab schon sehr früh Schaltungen, mit denen das durchgeführt wurde, etwa um 1913 mit der berühmten "Liebenröhre".
Es verwundert nicht, daß man so etwas versuchte- eine Röhre war in nden Anfangsjahren der Funktechnik noch enorm teuer, und die Funktionen zweier Röhren mit nur einer Röhre zu erreichen, ohne eine kompliziert zu fertigende Doppelröhre bauen zu müssen, war eine intelligente Lösung.

Reflexschaltung mit der Liebenröhre als HF- Verstärkerröhre, aus der Patentschrift 271059/ Zusatz 293300, 1913.
Hier nahezu die gleiche Schaltung, nur unterschiedlich dargestellt. Es sind jetzt aber 2 Eingangs- Schwingkreise, sie hat einen Drehkondensator am Eingangs- Sekundärkreis. In der ersten Schaltung sind laut Bedienungsanleitung die Buchsen "L" und "T" miteinander zu verbinden, damit wird der Röhre zusätzlich die NF vom Kristalldetektor beaufschlagt. Der Kopfhörer kommt dann an die Buchsen "O".
Vermutlich ist das die verbesserte Version.
Diese Geräte wurden für die kommerzielle oder militärische Nutzung gebaut, es gab noch keinen Rundfunk. Die Stromversorgung der Anodenspannung ist noch eine Generator- Maschine, einen geringen Grundstörpegel durch die Polwender (Kommutatoren) nahm man hin.

Schaltung mit Kristalldetektor zusätzlich Entdämpfung durch Rückkopplungsspule, plus Mitverstärkung der NF vom Kristalldetektor, Reflexschaltung aus "Funk- Bastler" 1928-04, S. 53.
Der Heizregler ist meist etwa 6 Ohm bei 6 V- Heizakku.

1- Röhren- Reflex- Empfänger, Foto und Schaltplan aus 1923-04 "Radio Engineering".
"R.F." ist ein HF- Transformator, A.F." ein Audio- Transformator.
Im Text ist ein Kristalldetektor beschrieben, im Schaltplan ist er nicht enthalten, weil
er nicht fest eingebaut ist, er wird an die Buchsen unterhalb des 0,0005 mfd (500 pF)-
Kondensators, also zwichen HF- und Audio- Transformator, angeschlossen.
Eine WD-11, UV-201 oder UV-201A- Röhre kann für den Verstärker verwendet
werden, mit 22,5 oder besser 45 Volt an der Anode. Mit einer WD-11-Röhre werden 1,5
nur Volt Heizspannung benötigt. Der oben gezeichnete Heizregler (Rheostat) meist
6 Ohm, das unten gezeichnete Gitterspannungs- Potentiometer meist 200- 500 Ohm.
Mehrröhren/ Mehrkreis- Schaltungsvarianten- es sind natürlich weitere Varianten möglich:
1923-06

1923-08
1923-12
Beispiel Reflexschaltung im Superhetempfänger
Auch im Superhet konnte man gut eine Röhre einsparen.
Reflexschaltung im "Kongreß Super", 1939, Rückführung der NF an der Demodulatorstufe zur ZF- Röhre.
Ich besitze selbst so ein Gerät- und die Reflexschaltung macht keine Probleme.
Einen Restaurationsbericht finden Sie hier, eine Schaltungsanalyse als Buch hier
Beispiel Transistorempfänger, die kleinen Schönheiten
Anfang der 60er bis in die 70er Jahre gab es zahlloseTaschenradios mit nur 2 Transistoren in Reflexschaltung. Meist billigst durch absolute Minimal- Bestückung, aber es gab genug starke Mittelwellensender, die Taschenradios reichten aus.


"Boy's Radio", 1969. Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=7_PHppc0W2s
Es gab solche hübschen, kleinen Taschenradios mit 2 Transistoren und der Aufschrift "Solid State" noch bis in die 70er Jahre, meist "made in Japan".
Weil eine höhere Anzahl Transistoren eine höhere Leistung versprach: Manchmal stand "4 Transistoren" auf solchen Geräten, es waren auch 4 eingebaut, aber 2 waren nur "Pappkameraden" ohne jede Funktion !
:-)

"Boys Radio", Quelle: https://www.cool386.com/reflex/reflex.html
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