Warum funktioniert der "Octamonic" ?
(Bilder unten)
In etlichen Foren wird bezweifelt, daß der "Octamonic" überhaupt vernünftig funktionieren kann.
An einer Stelle wurde die Funktion an sich angezweifelt:
" The basic principle is impossible, and Grimes should have known better."
(Das Grundprinzip ist unmöglich, und Grimes hätte es besser wissen müssen.)(hier).
An einer anderen Stelle wurde angezweifelt, daß diese Empfänger- Lösung gut funktionieren kann:
"Es funktioniert, man müsste mal AM- moduliertes Signal draufgeben und hören, wie das klingt. Vermutlich "Mickey-mouse"-Stimme ähnlich. ",
"...durch die nichtlineare Verzerrung und der Quadrierung dürfte der NF-Klirrfaktor unerträglich hoch sein, falls das demodulierte Signal überhaupt noch verständlich ist.
Es ist ja auch so, dass dieses Konzept sich verbreitet hätte, wenn es wirklich funktioniert hätte."
(hier),
Ebenfalls noch:
"Es wäre sinnvoll, wenn nur der Träger frequenzverdoppelt werden würde, und die Amplitude der Oberwelle würde ganz treu und brav in gleicher Weise 'rauf und 'runtergehen wie die Amplitude des empfangenen Antennensignals
...
die Röhre frequenzverdoppelt einfach ALLES"
(hier)
Die einfachste Erklärung:
«Alle sagten: das geht nicht. Dann kam einer, der wusste das nicht und hat’s einfach gemacht.» (Autor unbekannt).
Ich möchte hier vielleicht verloren gegangenes Wissen anführen.
In vielen Fachbüchern werden frequenztransponierende Schaltungen besprochen.
Das sind Frequenzverdoppler oder noch höhere Frequenzvervielfacher, etwa in Kurzwellensendern die Stufen "FD" (Frequency doubler), aber auch Mischer- Schaltungen.
Und es wird auch die Bedingung für die Funktion genannt.
Mischung, Modulation und Frequenzvervielfachung werden durch eine Stufe bewirkt, die am unteren Teil der Kennlinie arbeitet, damit Verzerrungen erzeugt, damit enstehen viele Frequenzen (Oberwellen).
Und immer nötig dazu ist... ein RESONANZKREIS, der eine Frequenz aussiebt.
Ohne den geht es nicht !
Ein Resonanzkreis ist im "Octamonic" vorhanden, nämlich der "Harmonischen- Kreis" mit genau der doppelten Eingangsfrequenz.
Damit wird also der Träger verdoppelt.
Das ist ja gewünscht.
Und die aufmodulierte Niederfrequenz ?
Nun ja- die Hüllkurve des Trägers wird halbiert.
Und die "obere Hälfte" hat immer noch die Modulation,. und sogar den vollen Modulations- Inhalt.
Eine Verzerrung findet damit nicht statt.
(Eigentlich schon, die Kurve ist nicht so linear, daß die Hüllkurve 100,00% übernommen wird, aber der Klirrfaktor ist gering).
Es gibt also (fast) keine Oberwellen der NF.
Und- es gibt keinen Tonfrequenz- Resonanzkreis- der überhaupt eine doppelte NF aussieben könnte.
Schon gar kein ganzes Frequenzband.
Bemerkung zu NF- Verdopplung:
Ich weiß, daß das meine Ausführungen nicht für digitale Frequenzbearbeitung gelten- ich besitze selbst ein Bühnen- Effektgerät, welches meine Sprache um beliebige Werte erhöhen oder erniedrigen kann, von Darth Vader über Frauenstimme bis Mickey Mouse.
Auch die Mischung beim Superhet bedingt IMMER einen Schwingkreis, der auf die Zwischenfrequenz abgestimmt sein muß, anderenfalls gibt es an der Anode der Mischröhre nur eine Überlagerung, aber keine Mischung.
Es findet genau das statt, was auch bei der Superhet- Mischung stattfindet:
Der Träger wird auf eine andere Frequenz transponiert, hier verdoppelt, und steht am Resonanzkreis ("Harmonischen- Kreis") zur Verfügung, und zwar als neues (Misch-) Produkt- aus der doppelten Trägerfrequenz und der NF, der ursprünglichen Modulation.
Das ist Lehrbuch- Fachwissen, es war also zu erwarten, und es wurde durch den Nachbau nun eindeutig bewiesen.

Schon 1927 richtig beschrieben:
Der Kreis am Gitter der "Harmonischen- Röhre" ist auf die Empfangsfrequenz F abgestimmt, an der Anode wird eine Oberwelle, die "1. Harmonische", die Frequenz 2 x F, ausgesiebt.
Auch diese etwas grobe Skizze von 1927 ist richtig, 
Größer und genauer sieht es so aus:

Dies ist eigentlich die Zeichnung zur Mischung, ich habe sie etwas angepaßt.
Mischung, Modulation und Frequenzkonversion haben die gleiche Grundlage.
Wichtig ist das gleiche Prinzip der Bildung einer neuen Frequenz -beim "Octamonic" ist das die verdoppelte Eingangsfrequenz- durch den Betrieb am unteren Teil der Kennlinie für den Träger, während der obere Teil der Kennlinie die aufmodulierte NF unberührt läßt.
Das funktioniert bei der Frequenzwandlung in der "Harmonischen- Stufe" des Octamonic", genau wie in jedem Superhet.
