Beurteilung des Gerätes
Nun habe ich den "Nesper" einige Tage in Betrieb, immer lange über den Tag eingeschaltet.
Erste Beurteilung:
Der "Nesper" funktioniert gut, auf Langwelle 3 Sender, mehr ist da außer Trägern und Baken ja nicht, und das Gerät war ja nur für Längst- bis Langwelle konzipiert, wobei ich mit der von mir verwendeten Spule bereits über dem vorgesehenen Frequenzbereich bin, um überhaupt Radiosender empfangen zu können.
Im Vergleich zum Westinghouse "RC" hat der "Nesper" nicht die aufgrund dreier HF- Stufen erwartet sehr hohe Empfindlichkeit.
Aber ausreichend.
Sehr schwache Sender, die ich in guten Großsupern hören kann, sind auch im "Nesper" da, aber sehr leise.
Wobei im Kopfhörerbetrieb mehr geht, aber beim Aufziehen der Rückkopplung kommt richtig Pegel an die Trommelfelle... irre laut, es gibt keinen Lautstärkesteller.
Aber: Die Kiste ist "zickig wie eine´Diva":
- Eine Veränderung der Anodenspannung (135 V) oder der Heizspannung (Speisung 6 V,
im Gerät folgt ein Hochlast- Drahtpoti) bewirkt schon enorm viel !
Beim Verändern der Heizspannung hört man tatsächlich das Geräusch, wie sich die
Heizfäden spannen !!!
- Die Rückkopplung ist sehr stark abhängig von der Empfangsfrequenz.
Dafür ist sie fein einstellbar und, wenn man sie bei betriebswarmen Gerät eingestellt hat,
über viele Stunden stabil.
"Betriebswarm" muß sein, mit allen Röhren, die ich verwendete, Uralt-Röhren oder
moderne Röhren, ist Stabilität erst nach einer Betriebsdauer, geschätzt 15- 30 Minuten,
gegeben.
- Für gute Funktion muß ich weniger Heizspannung (4,5 V an allen Röhren) geben, darüber
funktioniert nichts.
Die "Edi- Röhren" haben einen inneren Vorwiderstand, der die Heizspannung
(nominal 5V) weiter heruntersetzt,
auf 2,5 V für die HF- Röhren, 1,4 V für die NF- Röhren.
Die Heizspannung liegt also etwas unter der nominalen Heizspannung.
Die Unterheizung nehme ich in Kauf.
- Den "Nesper" kann man -meist bei angezogener Rückkopplung, insbesondere im
"Mitnahme- Betrieb", die Glocken läuten lassen" ! Mit dem Fingernagel die Röhre
angetippt.... gibt es einen (hellen) "Glockenton".
Bei Verwendung eines Verstärkers und Lautsprecher schwillt gelegentlich der
"Glockenton" zu einem sehr lauten Ton an, der nicht mehr abklingt, bis man die
Lautstärke stark herunterdreht- das nennt man "akustische Rückkopplung", genau der
Effekt, wenn man ein Mikrophon vor eine Lautsprecherbox hält, die gerade das, was das
Mikrophon aufnimmt, verstärkt wiedergibt.
Genauer: Bei angezogener Rückkopplung ist das Gerät äußerst "klingempfindlich".
Das liegt an den Röhren, die durch die Frontplatte gehen.
Allerdings war der "Nesper" eher für Kopfhörerbetrieb gedacht- aber es kann im
Kopfhörer beim "Aufschwingen" des Audions, gelegentlich auch bei atmosphärischen '
Störungen, extrem laut werden, es gibt ja keine Regelung der Empfangsstärke.
Lautsprecher ist sicherer, meist reichen die beiden NF- Stufen aus, nur bei sehr
schwachen Sendern ist ein Kopfhörer oder Verstärker nötig.
Ich denke, sehr viel machen bei diesen Effekten die Röhren.
Nun habe ich erst gestern von der Röhrenbestückung erfahren- die verwendeten Röhren des Originals waren "Langmuir- Röhren";
Bereits im Herbst 1919 führte er (Nesper) auf einer "Veranstaltung des Wiener Niederwald-Vereins mit einem selbstgebauten 7-Röhrcn- Apparat — den Satz Langmuir-Röhren stellten ihm Amerikaner zur Verfügung — eine Darbietung des Senders Königs Wusterhausen vor.
(Funk- Technik 1949 Heft 14)
Deren Daten sind mangels genauer Typenbezeichnung vorerst unbekannt.
Für viele Eigenschaften des "Nesper" kann die Röhrenwahl aber schon eine Ursache sein.
Die starke Abhängigkeit der Röhrenheizung veranlaßte wohl schon Nesper, an jede einzelne Röhre einen Eisenwasserstoff- Heizvorwiderstand zu schalten, der als Konstantstromquelle wirkt. Die EW's sind beim Originalgerät auf die Frontplatte gesteckt, über den Röhren.
Die Eisenwasserstoff-Widerstände sind in Glasröhrchen eingebaut, die meist in eine Keramik- Fassung steckbar waren, wurden damals passend zu "ihrer" Röhre (ausgemessen nach Heizstrom) mitgeliefert, jede Röhre hatte ihren eigenen EW !
Allerdings... wirkt die Stromstabilisierung eigentlich jeder Einstellung mit einem Drahtpoti entgegen, und zwar solange, bis der Regelbereich des EW nicht mehr ausreicht.
Warum Nesper das so baute, erschließt sich mir nicht.
Weitere Arbeiten
- Ich überlege, ob ich evtl. für jede Röhre einen eigenen Vorwiderstand, austauschbar,
evtl. wie im Original steckbar, oder sogar für jede Röhre ein eigenes, kleines Drahtpoti
installiere.
Die Heizspannung beziehe ich zur Zeit aus einem hochstabilen Labornetzteil, später
sollen die Spannungen aus einem Batteriesatz und aus einen großen Akku geliefert
werden.
Dazu wäre eine Steckleiste oder eine Montageleiste für die Widerstände oder Drahtpotis
zu bauen.
- Ich werde mehrere Spulensätze für mehrere Wellenbereiche installieren, der
Originalbereich Längstwelle 12 kHz bis kurz unter Langwelle 125 kHz ist heute ja nicht
wirklich nutzbar, es gibt in diesem weiten Bereich überhaupt keine Rundfunksender.
Der bereits verbaute Kreisschalter kommt dem bestens entgegen.
Ich könnte bis zu 24 Bereiche damit realisieren- allerdings werde ich wahrscheinlich
zusätzliche Schalter- Ebenen benötigen, um in jedem Bereich eine abgestufte
Abstimmung und eine passend bemessene Rückkopplung zu gewährleisten.
Ich kann Spulen selbst herstellen, und habe verschiedenste Spulensätze aus alter Zeit.
Die berühmten Korbboden- Steckspulen der Detektorempfänger wären ebenfalls eine
Möglichkeit.
