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Jetzt geht's ans Eingemachte- die Technik, Gerät 1


Gerät 1 von 1918

Als Erstes die Schaltung des Geräts von 1918. Ich habe sie etwas augenfreundlich eingefärbt.


Schaltung Gerät 1 von 1918

Was ist hier zu sehen ?
Ein Eingangsschwingkreis- offensichtlich ist die Kreisinduktivität nicht EINE Spule, sondern eine Reihenschaltung dreier Induktivitäten, derer Mitte ist eine Rahmenspule( Rahmenantenne).
Diese geht mit einem Anteil an Antennen- Energie mit ein, die Antenne liegt also nicht direkt an der Eingangsstufe.

Es folgen 3 gleiche ("aperiodische = nicht abgestimmte) Hochfrequenz- Verstärkerstufen.

Eine vierte Stufe hat ein Potentiometer als Arbeitswiderstand, von dem aus ein Kondensator zurück zum Eingangsschwingkreis geht.
Das Poti ist im Verdrahtungsplan des Geräts 2 mit "Röhren- Kopplung" beschriftet, in der Beschreibung wird es "Reaktions- Widerstand" genannt.

EIne fünfte Stufe ist parallel zur vierten Stufe geschaltet, also gleicher Eingang (von Ausgang Stufe 3). Der Arbeitswiderstand ist ein Niederfrequenz- Übertrager.
Das ist eine nicht rückgekoppelte Audion- Stufe, die eben die Niederfrequenz liefert.

Der Audionstufe folgen dann 2 Niederfrequenz- Verstärker, Transformator- gekoppelt, die letzte Stufe hat einen Ausgangs- Übertrager, der für externe Kopfhörer angepaßt ist, ein Geräte- Lautsprecher war nicht vorgesehen, es konnten aber sehr hochohmige Trichter- Lautsprecher, die ein Kopfhörer- System beinhalteten, verwendet werden, in jener Zeit noch üblich, Lautsprecher im Gerät oder Holz- Lautsprecherboxen gab es in Deutschland noch nicht.

Die Arbeitswiderstände der ersten 3 Stufen sind hoch (60 KOhm), das Potentiometer ist niederohmiger (1 KOhm).

Gespeist wurde alles von 2 Anodenbatterien 90 V und 2 Heiz- Akkus 2V oder 4 Volt (je nach Röhrentypen). Alleine der Batterien- und Akkusatz ist schon riesig, und auch erklecklich schwer.

Hat das Audion keine Rückkopplung ?
Doch !
Eine Rückkopplung zur Entdämpfung muß nicht zwingend im Audion erfolgen, das macht Röhre/ Stufe 4.
So hat man also eine Rückkopplung, wie man sie kennt.
Die war damals meist nötig, weil es keinen Rundfunk, also keine modulierten Empfangsfrequenzen, gab.
Ausgestrahlte HF war erst hörbar, wenn sie mit hoher Frequenz unterbrochen wurde, das bewirkten die damaligen "Funkensender", die noch mit echten Funkenstrecken funktionierten.

Das waren sehr schnelle Folgen kurzer Wellenzüge, deren Amplitude bis zum nächsten Wellenzug abnahm- "gedämpfte Schwingungen".

Durchgehende Schwingungen konstanter Amplitude = "Ungedämpfte Schwingungen "konnte man dagegen erst hören, wenn man die Rückkopplung bis zum Schwingen anzog.
Die erzeugte "Schwebung", die Differenz zwischen der Empfangsfrequenz und der eigenerregten Schwingung, bewirkte den hörbaren Ton, darum ist das Rückkopplungs- Poti mit "Schwebungs- Empfang" beschriftet.

Mit Sprache oder Musik amplitudenmodulierte Schwingungen waren ab den ersten Rundfunk- ähnlichen Versuchssendungen, etwa des Senders Königs Wusterhausen, 1920- 1923, empfangbar, ab der ersten Rundfunksendung des "Voxhaussenders" im Oktober 1923, ebenfalls hier beschrieben, gab es dann den regelmäßigen Rundfunk.

Sprache und Musik war meist am besten empfangbar, wenn man auf der Poti- Stellung "Audion- Empfang" blieb, aber die Rückkopplung bis kurz vor dem Schwingeinsatz anzog, damit war höchstmögliche Empfindlichkeit und Trennschärfe erreichbar.
Dies war mit diesem Gerät möglich, allerdings konnte dafür nur der Bereich dicht unterhalb der höchstmöglichen Empfangsfrequenz des  Gerätes, also ca. 100 kHz- 136 kHz, benutzt werden.
Die Frequenz der Königs Wusterhausener Aussendungen, 2700 Meter =  111 kHz, waren also mit Gerät 1 und 2 empfangbar, der Voxhaussender arbeitete 1923 auf der Mittelwelle 400 Meter = 749,5 kHz.
Mittelwellen- Empfang wäre jedoch problemlos  mit einer geänderten Rahmenantenne jedoch möglich gewesen.
Ob dem so war, ist nicht bekannt.



 

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