Das Innenleben- Mechanik für die Ewigkeit
Der E82 ist ein riesiges, massives Gerät- er wird in einem Buch als "Empfänger für Kreuzer" beschrieben- und mit diesem Verwendungszwecksind auch seine enorme Größe und das hohe Gewicht zu erklären.
Es mußte technisch eine möglichst hohe Empfindlichkeit gewährleisten, und unter rauhen Bedingungen immer funktionieren.
Die Abstimmung der Kondensatore wurde wahrscheinlich mit Planeten- Feintrieben realisiert, diese werden den Drehkondensatoren vor- gebaut.
Es ist kein zusätzlicher Bedienknopf nötig, kein Zahnrad- oder Seiltrieb, der Zeigerantrieb wird vom Feintrieb mit bereitgestellt.
Das ist leicht zu realisieren, solche Feintriebe gibt es noch heute, ich habe solche bereits in mehreren Geräten verwendet.
Handräder
Schon beim Blick auf die Frontplatte fallen zwei Handräder auf, wie man sie von Klempner- Material, etwa Rohr- Absperrventilen, kennt. Die Beschriftungen enthalten wahrscheinlich den Begriff "Kopplung", das waren zu der Zeit mechanische Spulen- Koppler.
Die robuste Ausführung läßt vermuten, daß sehr stabile Mechanik dahintersteckt.


Wie im Maschinenraum: E82 und E207 verwenden stabile Handräder
Spulenkoppler
Es gibt für Tertiär- Empfänger nur einen Prinzip- Stromlaufplan.
Viele Geräte der frühen Jahre haben Spulenkoppler verwendet.
Variometer mit Anzapfungen der äußeren Spule (1922 Taussig - Book of Radio)
Dafür wären leichtgängige Drehspulen- Variometer prädestiniert. Diese brauchen aber eigentlich keine Handräder.
Möglich wäre es dennoch, wenn die Konstruktion äußerst robust ausgeführt wurde.
Variometer- Antrieb
Möglich wären also Drehspulen- Variometer.

Angezapfte Spule und Variometer mit Anzapfungen der äußeren Spule (1922 Taussig - Book of Radio)
Sehr großes Eigenbau Drehspulen- Variometer "Edi- Variometer" (25 cm Durchmesser, 30 cm hoch) im Nachbau des "Voxhaussenders".

Später geändert: Sowohl die äußere als auch die innere Spule besitzen nun Anzapfungen
Drehspulen- Variometer "Edi- Variometer", 13 cm Durchmesser, im Nachbau des SE-143, die Drehspule dreht sich AN- nicht IN der Hauptspule.
Telefunken E225a, Sekundärempfänger, unten ist eine große Spule der Eingangskreise Primär/ Sekundär mit 2 innenliegenden Drehspulen versehen: unten "Luftdraht/ Zwischenkreis- Kopplung", darüber "Rückkopplung 1".
Darüber querliegend die Spule der Detektorkopplung mit innenliegender Variospule "Rückkopplung 2" (Bilder: Seefunknetz).
Wie beim E82 haben die Beschriftungen der Spulendrehachsen eine Kreisausschnitts- Skale 90°, das heißt, die inneren Drehspulen drehen sich von 0° = gleichsinnig mit der Hauptspule, maximale Kopplung, bis 90° = die innere Spule steht nun innerhalb der Hauptspule in Längsrichtung, minimale Kopplung.
Es wäre aufgrund der Ähnlichkeit durchaus möglich, daß diese Drehspul- Variometer- Kopplungsart im E82 angewandt wurde..
Möglicher Drehspul- Variometerantrieb im E82 
Symbolische Darstellung: Die Spulenanordnung war war wahrscheinlich so, daß die Spulen so weit wie möglich voneinender entfernt, sowie 90° zueinander versetzt waren.
Dies ist nicht die tatsächliche Darstellung des Handrad- Antriebs des E82, das ist mir bewußt.
Möglicherweise jedoch waren beim historischen Vorbild Präzisions- Feintriebe eingesetzt, die eine gewisse Schwergängigkeit besitzen, womit die Handräder gerechtfertigt wären.
Spindel- Variometer
(Dies ist nicht die offizielle Bezeichnung).
Es gabin der Frühzeit viele Geräte mit Schiebespulen, 2 Rohre als Spulenkörper, eine Spule wird in die andere eingeschoben.
Es sind aneinander- oder ineinander schiebbare Spulen, die Bewegungsrichtung ist axial.
Die axiale Bewegungsrichtung kann mittels einer Gewindespindel mit einer daraufbefindlichen Spindelmutter erzeugt werden.
Eine Bewegung in der axialen Schieberichtung ist damit nur durch Drehung des Gewindes möglich, sonst überhaupt nicht, das bringt eine sehr hohe Stabilität der Abstimmung, diese ist sehr unempfindlich gegen Erschütterungen.
Zudem ist diese Art Variometer weitaus korrosionsbeständiger als Drehkondensatoren, da die Gewindespidel und Spindelmutter nur die Verschiebung der Spulen bewerkstelligen, aber keine elektrische Funktion haben.
Seit den 1950er in die 1980er Jahre gab es darum Spindeltrieb- Variometer- in Autoradios !
In diesen Geräten wurden Ferritkerne statt Spulen verschoben, es ist dasselbe Prinzip, es können Spulen gegen Spulen, Spulen gegen feststehende Kerne, oder Kerne gegen feststehende Spulen verschoben werden.
Ich hatte als Rundfunk-/ Fernsehtechniker bei RFT Tausende Autoradios mit diesen Spindel- Abstimmgeräten auf dem Tisch. Diese Spindel- Tuner waren in einigen Geräten sehr klein, Kernweg z. B. 20- 30 mm.
In Autoradios ist dieses Prinzip über Jahrzehnte angewandt worden.

Tauchkern- Variometer im DDR- Autoradio "A130 Transit", 70er Jahre, eigenes Foto.
Der Pfeil zeigt auf die Gewindespindel, die "Spindelmutter" ist die entsprechend geformte Achs- Aussparung in dem gelb- chromatierten Blech- Formteil, welches Kunststoffschrauben für 5 Variometerkerne (Oberseite zwei für UKW, Unterseite drei für K-/M-/L- Welle ) enthält.
Tauchkern- Variometer im Tschechischen Autoradio "Tesla 2107 B-2", 70er Jahre (Ausschnitt aus Foto bei Radiomuseum).
Die Pfeile zeigen auf Gewindespindel undSpindelmutter, sowie auf den Draht des Tauch- Ferritkerns.
Spindelantrieb historisch

Spindelantrieb- Schiebespulen- Variometer aus Sleeper - Construction S38 und Wireless Age 1917-05
Variometerabstimmung im Marconi 2864B
Eine normale Gewindestange wäre möglich, hat aber dermaßen viele Gewindegänge, daß man ewig kurbeln müßte.
Also hat man eine Spindel mit Gewindegängen hoher Steigung verwendet, etwa wie eine Schraubstock- Gewindespindel.
Auf der Frontplatte sind ein Zeiger und eine Kriesausschnitts- Skale hinter den Handrädern zu sehen, diese ist 8- geteilt.
Also könnte man annehmen, daß man den gesamten Spulenweg mit 8 Umdrehungen vollziehen kann.
Bei der enormen Bautiefe ist anzunehmen, daß die Spulen sehr groß waren, und der Spulenweg ebenfalls.
Das würde eine Steigung bedeuten, z. B. bei 20 cm Schiebespulen-Weg -> 2,5 cm/ Umdrehung.
Das erfordert eine recht große Gewindespindel und eine passende Spindelmutter.
Und- bei so großen Gewinden mit hoher Steigung ist doch schon etwas Reibung des Gewindes zu überwinden.
Darum die hochstabilen Handräder.
Möglicher Schiebespulen- Variometer- Spindelantrieb im E82 
So könnte der Spindeltrieb beim E82 ausgesehen haben.
Die Spindeltrieb- Technik würde ebenfalls die Handräder rechtfertigen.
Dies ist nicht die tatsächliche Darstellung des Handrad-Antriebs E82, das ist mir bewußt.
Fazit
Der E82 bot genug Platz für große Spulen der Bauarten Drehspulvariometer und Schiebespulen- Variometer.
Sowohl Varianten könnten im E82 verbaut gewesen sein, elektrisch sind beide ohnehin nahezu gleichwertig.
Welche Variante ich beim Nachbau verwenden werde, kommt auf die Materialsituation an.
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