Der Tertiär- Kristalldetektor- Empfänger Telefunken E 82 von 1918

Funkanlage der Leitstelle des Kaiserlichen Heeres; Telefunken- Zeitung Nr. 15, Mai 1919 (05), die Namen der Baugruppen stammen von mir, ich habe sie mit dem Telefunken- Katalog von 1919 identifizieren können.

Die einzigen Abbildungen des E82: In der Heeres-Leitstelle aus Telefunken- Zeitung Nr. 15, Mai 1919 (05), Telefunken- Zeitung Nr. 16, Juli 1919 (03), S. 10 und aus "Die deutschen Funknachrichtenanlagen"
Der Empfänger Type E 82 von 1918 war ein hochselektiver Drei- Kreis- Kristalldetektorempfänger ("Tertiär-Empfänger"), entwickelt für den Einsatz auf schweren Einheiten, Kriegsschiffen und in Küstenfunkstellen. Durch die Verwendung von drei unabhängig abgestimmten Schwingkreisen mit sehr hoher Güte und diversen Anpaß- und Koppelmöglichkeiten wurde eine hohe Empfindlichkeit und Trennschärfe erreicht, die den Empfang schwächster Signale, auch unmittelbar neben starken Störsendern, ermöglichte.
Das Gerät wurde in schwerer Bauweise ausgeführt, die Bauteile sind montiert auf einer Frontplatte im Holzgehäuse, gesamt mit den Abmessungen Breite 54 cm, Höhe 77 cm, mit -fest montierten- Aufbauten auf der Oberseite, das waren wählbare Zusatz- Bauteile, die auf der Gehäuseoberseite plaziert wurden, sogar 91 cm und Tiefe 84 cm.
- TECHNISCHE DATEN
- Wellenbereich: 150 m bis 4500 m (66 kHz bis 2000 kHz), in 6 Bereichen.
- 3 Kreise (Primär-, Sekundär-, Tertiärkreis)
- Antennen-Anpassung: "Mittlere Antennen", das meint Antennen mit Längen von 50- 1000 m und Kapazitäten von 300 pF bis 1500 pF (Referenz: 800 pF). Schiffsantennen hatten z. B. 100- 150 m Länge und hohe Kapazitäten, , z. B. von 800 - 1500 pF, aufgrund des großen Schiffs- Stahlkörpers als Gegengewicht.
Wahrscheinlich im "E82" grob stufenweise und fein per Schiebesteller anpaßbar. - Kopplung der Kreise: Per Handrad einstellbar (vermutl. mit Gewindespindel stellbare Schiebespulen- Koppler)
- Last- Anpassung: Ein aperiodischer Anpaß- Kreis gewährleistet eine stufenweise wählbare Anschaltung der Last (Kristalldetektor/ Kopfhörer).
Es waren mehrere Kristalldetektoren anschließbar und umschaltbar vorgesehen.
Auch eine Vorspannungsbatterie für einige Detektorkristalle konnte angeschaltet werden.
Ein Batterie- betriebener Summer als Oberwellengenerator diente als Einstellhilfe für den Kristalldetektor.
Dokumentierte Anwendung
Die oben gezeigte Anlage des Heeres stand im Großen Hauptquartier der Obersten Heeresleitung des Deutschen Kaiserreichs- das bezeichnet jedoch keinen festen Standort.
Die oberste Heeresleitung war der Generalstab des Feldheeres unter der Führung des Chefs des Generalstabes.
Das Große Hauptquartier war eine mobile Formation und wechselte je nach Kriegsverlauf den Standort (z. B. Koblenz, Luxemburg, Charleville-Mézières, Pleß, Bad Kreuznach und Spa).
Chronologie der Standorte (1916–1919) (Wikipedia)
Bis September 1916: Charleville-Mézières (Frankreich)
Dieser Ort in den Ardennen diente lange als Hauptquartier für die Westfront.
September 1916 – Februar 1917: Schloss Pleß (Oberschlesien)
Mit dem Amtsantritt der 3. OHL (Hindenburg/Ludendorff) wurde das
Hauptquartier nach Schloss Pleß verlegt, um die Operationen an der
Ostfront und gegen Rumänien besser zu koordinieren.
Februar 1917 – März 1918: Bad Kreuznach
Für die Vorbereitung der Frühjahrsoffensiven im Westen kehrte die Führung
in das Kurhaus von Bad Kreuznach zurück.
März 1918 – August 1918: Avesnes-sur-Helpe (Frankreich)
Während der deutschen Frühjahrsoffensive 1918 (Operation Michael) befand
sich die OHL unmittelbar hinter der Front in Nordfrankreich.
August 1918 – November 1918: Spa (Belgien)
In der Endphase des Krieges war das Hotel Britannique in Spa das Zentrum
der Macht. Hier forderte die OHL im September den Waffenstillstand und hier dankte der Kaiser schließlich ab.
November 1918 – Februar 1919: Wilhelmshöhe bei Kassel
Nach dem Waffenstillstand verlegte die OHL ihren Sitz in das Schloss
Wilhelmshöhe, um die Demobilisierung des Heeres zu leiten.
Februar 1919 – Juli 1919: Kolberg (Pommern)
Der letzte Standort war Kolberg. Von dort aus wurde der Grenzschutz gegen
polnische Aufstände im Osten koordiniert, bis die OHL am 3. Juli 1919
aufgelöst wurde.
Die Telefunken- Zeitung Nr. 15, Mai 1919, vermeldet hierzu:
"Zur direkten funkentelegraphischen Verbindung des Großen Hauptquartiers mit den wei-
ter entfernten Armee-Oberkommandos auf dem Balkan und im Orient diente eine Station von etwa 20 kW-Antennen-Energie. Zur Erläuterung mögen folgende kurzen
Angaben dienen: Die Station arbeitete nach dem System der tönenden Löschfunken, der primäre Energiebedarf beträgt etwa 60 kW.
Die Empfangsanlage besteht aus einem Empfangstisch, auf dem ein Marine-Universal-
Zellen-Empfänger (der Telefunken E82) sowie ein E5- Empfänger mit Störbefreiungskondensator aufgestellt sind. Ferner befinden sich darauf ein Überlagerer, ein Vierröhrenverstärker und zwei Zweiröhrenverstärker, sowie eine Detektorgegenschaltung für den E5.
In Anbetracht der ungemein kurzen Zeit, die für den Aufbau der Station zur Ver-
fügung stand (6 Wochen), konnte nur eine provisorische Antenne mit sehr einfachen Mitteln und mit nur einem 70 m Mast aufgestellt werden, so daß die Reichweite des Senders bei weitem nicht voll ausgenutzt war. Dennoch trat die Station mit Konstantinopel und Damaskus in Verbindung und erfüllte somit ihren Zweck. "
Wahrscheinlich ist die gezeigte Anlage die in Kassel, da Foto und Bericht in der "Telefunken- Zeitung" vom Mai 1919 veröffentlicht wurden.
Der Bericht beweist die Fähigkeit, schon vor über 100 Jahren mit noch nicht sehr hohen Sendeleistungen, nicht optimalen Antennen und hoch entwickelten Detektorempfängern über große Entfernungen zu kommunizieren, die Entfernung Berlin- Damaskus (Luftlinie) beträgt ca. 2650 km, Berlin- Konstantinopel (heute Istanbul) 1750 km.
