Bemerkungen zu den Berechnungen
"Verkürzer" ("Paddings")
Ich habe in meine Berechnungen Kondensatoren inkludiert, die im Schaltplan, den ein Funkamateur durch Augenschein ermittelte, nicht eingezeichnet sind.
Meines Erachtens sind einige dieser Bauteile jedoch vorhanden, im Foto sind es unbeschriftete, schwarze "Blöcke", nicht unbedingt als Kondensatoren erkennbar, und entgingen wohl der Erkennung.
Bild aus Zeitschrift "Hallo" 143, Beschriftung von mir.
Das Gerät wurde geplündert, im schwarzen Stahlrahmen
befand sich die Drehkondensatoren- Bank.
Es ist also nicht sicher, ob evtl. vorhandene Paddings im historischen "E207" so, wie ICH sie verschalte, verschaltet wurden, und welche Werte sie hatten.
Ich denke, schaltungstechnisch MUß es diese gegeben haben, um die Bereiche so sorgfältig unterteilen und überlappend gestalten zu können, und insgesamt eine lückenlose Darstellung der vorgegebenen Wellenbereiche für die Modi "Kurz" und "Lang" darstellen zu können, wie in der originalen, vom damaligen Funktechniker händisch ermittelten Eichtabelle des einzig erhaltenen Gerätes abzulesen ist.
Immerhin ergeben die Wellenlängenkurven nach der Original- Wellenlängen- Tabelle eine fast perfekt quadratische Kurve, die lückenlos den angegeben Wellenbereich überstreicht, und der "Kurz"- und "Lang"- Bereich sind auch sehr dicht nebeneinander- Ergebnis einer beeindruckend genauen Dimensionierung.
Begründung:
In der Frühzeit der Funktechnik gab es nur kommerzielle und militärische Anwendungen der Funktechnik, und so mußten die oft riesigen Antennen als Bestandteil des Eingangsschwingkreises betrachtet werden.
Jede Antenne besitzt eine Eigenkapazität und Eigeninduktivität, die durch ihre Abmessungen, Gestaltung ("Dachkapazitäten", Paralleldrähte) und ihre Positionierung zur Erde (Erddrähte, Gegengewicht, Schiffskörper) bestimmt wird.
Die Resonanzfrequenz f eines Schwingkreises wird durch die Thomson-Formel definiert:
1 / 2 *Pi x Wurzel aus L * C
Hierbei repräsentiert L die Induktivität und C die Kapazität. Um die Resonanzfrequenz zu erhöhen (was einer Verringerung der Wellenlänge entspricht), muss entweder L oder C verkleinert werden. Während eine Verkleinerung der Induktivität durch das Abgreifen von Windungen an der Antennenspule (Variometer) erreicht werden kann, erfordert die Reduktion der effektiven Kapazität einer fest installierten Antenne das Schalten eines Kondensators in Serie zum "Luftleiter".
Die Gesamtkapazität Cges einer Serienschaltung aus Antennenkapazität Ca und Verkürzungskondensator Cv berechnet sich wie folgt:
Ca * Cv / Ca + Cv
Da Cges zwangsläufig kleiner ist als Ca, verschiebt sich die Resonanz zu höheren Frequenzen. Diese Methode ermöglichte es Telefunken, mit standardisierten Antennenkonfigurationen ein breites Spektrum an Wellenlängen abzudecken, was für den flexiblen Funkverkehr zwischen Schiffen und Küstenstationen von essentieller Bedeutung war.
Ein Beispiel für die Anwendung findet sich in der Telefunken Löschfunkenstation "Type 0,5 T.K." aus dem Jahr 1916. Diese Station wurde primär für den Einsatz auf Schiffen konzipiert, wo die Antennenwerte durch die Anzahl paralleler Drähte, Mastabstände und -höhen bestimmt wurden.
In diesem System war der Verkürzungskondensator (Nummer 31 im Schaltplan) ein entscheidendes Bauteil für den Funker. Wenn die Kapazität der Schiffantenne (oft um die 500 cm bzw. ca. 555 pF) für die gewünschte Wellenlänge von 300 m zu groß war, wurde der Kondensator zugeschaltet.
Die Qualität einer solchen Verkürzung hängt stark von der Güte des Kondensators ab.
In der Hochfrequenztechnik der 1910er und frühen 1920er Jahre war jeder zusätzliche Widerstand im Antennenkreis riskant, da er die ohnehin begrenzte Sendeleistung dämpfte.
Telefunken setzte darum auf hochwertige Materialien, um dielektrische Verluste zu minimieren, anfangs Glimmer als Dielelektrikum, später hochwertige Keramik- Werkstoffe.
Meines Erachtens neu ist im "E207" die Verwendung von "Paddings" zur Erstellung einer Eichtabelle, da es aber eine sinnvolle und schaltungstechnisch nötige Lösung war, ist anzunehmen, daß sich Telefunken genau dieser Lösung bediente.
Antenne
Ich habe die historische 9000 pF- Antenne der norwegischen Großstation Tryvann, nach der die Gerätetabelle des einzig erhalten gebliebenen "E207"- Exemplars erstellt wurde, als Vorlage genommen.
Der "207" war als Empfänger für Großstationen an großen Antennen" konzipiert, dies möchte ich genau so erhalten.
Ich kann zwar keine solch gewaltige Antennenanlage erstellen, aber versuchsweise werde ich temporär eine "Beverage- Antenne" erstellen, die sich dem erwarteten Kapazitätswert annähern könnte, es gibt Möglichkeiten in der näheren Umgebung.
Ansonsten besitze ich bereits eine Antenne, die mit gemessenen 470 pF kapazitiv höher liegt, als übliche Rundfunkantennen, die z. B. für den Antennenersatz ("Kunstantenne") mit 300 pF bewertet werden.
Mit dieser unterdimensionierten Antenne ist so nicht viel zu erwarten, aber mit einem Antennen- Anpaßgerät, welches die vom "E207" erwarteten 9000 pF bereitstellt, und ggf. die Antennenspannung transformiert, dürfte der Nachbau betreibbar sein.
