Der Schaltplan - doch nicht einfach
Nachdem ich viele Stunden Fotos gesichtet und analysiert habe, kann ich nur feststellen, daß der "E207" alles andere als ein "einfacher Detektorempfänger" ist.
Allein schon die Frequenztabelle zeigt die Abstufung der Frequenzbereiche, die eine nahezu perfekte quadratische Kurve vom Längstwellen- bis zum oberen Ende des Langwellenbereichs bildet, nahtlos über die 4 Bereiche, die mit 4 Spulensätzen zu je 2 Spulen, sowie der "Kurz"- und "Lang"- Umschaltung, realisiert wurden.
Das erforderte eine ausgefeilte Entwicklungsarbeit, und ist nachträglich äußerst schwer nachzukonstruieren- es sind 32 Bereiche zu ermöglichen, und das -nach den Fotos- mit einem Minimum an Bauteilen.
Die Bauteile waren äußerst exakt aufeinander exakt abgestimmt- bereits die Änderung EINES Bauteils kann alle Bereiche beeinflussen.
Rekonstruktion der Empfangsbereiche
Da das originale Gerät teil- geplündert war, und es keine Unterlagen gibt, mußte ich dies in wochenlanger Rechenarbeit versuchen, die Frequenzbereiche durch geeignete Schaltungsdetails so nachzuvollziehen, daß eine ebenso lückenlose Kurve vorhanden sein wird.
Wichtig dabei sind die Eckdaten der Bereiche I bis IV, sowie eine Überlappung der Bereiche, um den Frequenzbereich 1000 - 30000 m lückenlos zu empfangen.
Die Unterteilung kann sich evtl. verschieben, aber auch bei dieser soll eine lückenlose Aufteilung gewährleistet sein.
Telefunken gab damals großzügig noch sehr viel Spielraum dazu, da der "E 207" für Großstationsantennen sehr hoher Kapazitäten und einem großen Kapazitätsbereich enwickelt wurde, in welchem der gesamte Frequenzbereich garantiert empfangen werden konnte.
Wichtiges Detail: Im höchsten Bereich können die Wellenlängen 1000 - 3000 m nur in Primär- Stellung "Kurze Wellen" empfangen werden, im tiefsten Längstwellenbereich 37000 - 41000 m in Stellung "Lang" dieser Bereich ist aber ohnehin nicht garantiert.
Ein großer Bereich dazwischen erlaubt aber den Empfang wahlweise in den Modi "Kurz" oder "Lang".
Wahlweise Empfang mit Serien- oder Parallelschaltung im Primärkreis -dies kann in der Empfangsstärke einen deutlichen Unterschied -rechnerisch bis 50%, real wohl weniger, aber sicher relevant- bewirken.
Viele Geräte jener Zeit hatten dazu die Möglichkeit, wahlweise mit hohem oder niedrigen L/C- Verhältnis zu empfangen, etwa "IO-500" = "SE-143" und baugleiche Geräte.
Das Einfachste ander "E207"- Schaltung ist die Umschaltung "Kurz"/ "Lang", das ist nur eine einfache Umschaltung, welche die Antennenspule (Primärkreisspule) und den gewählten Drehkondensatorensatz in Serie oder parallel schaltet, das geht mit 4 (im E205 mit 5) Nockenschaltern.
Die Rekonstruktion der Wellenbereiche.
Telefunken schaffte es, mit wenigen Kondensatoren auszukommen, auf den Fotos sind -vermutlich- 4 oder 5 solcher Kondensatoren auszumachen.
Es könnten aber auch weitere Kondensatoren am Fuß der Wechselspulen vorhanden gewesen sein, auf den Fotos ist das nicht erkennbar.
Ich ziehe das jedoch in Erwägung.
Grund: Eine exakte Reproduktion der Tabellenwerte ist sehr schwierig.
Dies geht normalerweise perfekt mit zusätzlichen Kondensatoren, "Antennen- Verkürzer", Reihenschalt- Kondensatoren für die Antennenkapazität, "Drehko- Verkürzer", Reihenschaltkondensatoren für die Drehko- Kapazitäten, und ggf. "Drehko- Verlängerer", Parallelkapazitäten zu Drehko und/ oder Schwingkreis.
Damit könnte man jeden Bereich so trimmen, daß die Tabellenwerte exakt stimmen.
Das Problem ist, daß man dazu sehr viele Kontakte schalten muß.
Wahrscheinlich spielte auch die spezielle Drehkondensatoren- Bank eine Rolle, inbesondere die Abstufungen der Kapazitäten und die Kapazitäts- Hübe der Einzel- Abteilungen.
Und es ist ein großes Problem, daß allein schon die Drehkondensatoren, wie man zur Zeit des "E207" verwendete, nicht mehr beschaffbar sind, weltweit nicht.
Zu der Zeit waren Drehkondensatoren mit niedrigen Anfangs-. und enorm hohen Endkapazitäten üblich, etwa der Telefunken CV203 mit 60 - 3600 pF, 3,3 kg, 145 x 145 x 210 mm, CV204 mit 120 - 7200 pF, 145 x 145 x 350 mm, 7 kg oder CV205 mit 180 - 10800 pF, 145 x 145 x 480 mm, 9,5 kg !
Diese Gewichtsangaben erklären auch das enorme Gewicht des Gesamt- Gerätes- immerhin 130 kg !!!
Welche Drehkondensatoren- Abstufungen und Hübe im "E207" einst vorhanden waren, ist nicht mehr nachzuvollziehen, da im 2018 noch einzig erhaltenen "E207" die Drehkondensatoren- Bänke bereits herausgeplündert waren, und es sind keine solchen mehr beschaffbar.
Aber- es sind alternative- Drehkondensatoren beschaffbar, ich habe solche geordert, und meine Berechnungen für diese ausgeführt.
Die Schaltungen ändern sich nicht, lediglich die Bauteilwerte müssen angepaßt werden, und das Gerät entsprechend vor Inbetriebnahme mit einer Ersatzkapazität der Antenne, an der es arbeiten soll, gemessen und die Primär- Frequenztabelle neu angefertigt werden.
Die Neuerstellung der Primär- Frequenztabelle war ohnehin vorgeschrieben, wie die handgeschriebene Originaltabelle auf der Frontplatte beweist.
In Arbeit....
