Erkenntnisse aus den Berechnungen - Riesendrehko - Banken, und dann "verkürzen" ???
Aufgrund der Entwürfe, Berechnungen, Analyse und Harmonisierung liegt meines Erachtens nahe, daß Telefunken es ähnlich gemacht haben muß, d. h. man hat eine gewaltige Drehkondensator- Bank erstellt, aufgeteilt, und schaltungstechnisch, mittels Zusatzkapazitäten, Antennen- und Drehkondensator- "Verkürzern" = "Paddings", in die Bereiche- Vorgaben "gepreßt".
Das ist schon einigermaßen logisch nachvollziehbar, weil es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht ohne diese Trimmung geht, die Spulen müßten bei voller Drehkondensatorhub- "Wucht" extrem niedrige Induktivitäten haben, um gerade bei hohen Frequenzen noch eine Resonanz zu bekommen.
Wenn das überhaupt möglich ist, dürfte das dürfte jede Güte zunichte machen.
Die Beschriftung des Schalters "Antennenkapazitäten" läßt ebenfalls erkennen, daß gewaltige Drehko- Kapazitäten vorhanden waren, obwohl sie...
...mit dem vollen Hub nicht in allen Bereichen nutzbar waren.
Zudem zeigen die Kurven der Original- Eichtabelle eine sorgfältige Abstimmung, die für beide Bereiche, "Kurz" und "Lang" eine nahezu perfekte, quadratische Kennlinie zeigt.
Rätselhaft ist die Gestaltung der Abstufungen dennoch: Die Drehko- Hübe NACH Verkürzung wären mit kleineren Drehkondensatoren auch möglich gewesen. Warum hat man dennoch soviel Material verbraten ? Die Drehkondensatoren- Bank machte (nach meiner Schätzung) allein etwa ein Drittel des hohen Gesamtgewichts (130 kG !!!) aus !
Es ist doch eigentlich kein Unterschied, ob ich z. B. in Bereich IV einen 20000 pF- Riesendrehko auf 840- 2200 pF herunterdrücke, oder einen kleineren, leichteren Drehkondensator 840 - 2200 pF verwende !
Die andere Seite des Schwingkreises ist ja die Antenne, z. B 9000 pF mit "ihrem" Verkürzer 910 pF, diese Seite hat mit der Drehko- Varianz nichts zu tun.
Ich müßte doch den verkürzten Riesendrehko durch einen Drehko genannter, kleinerer Größe ersetzen können. Gleiche Varianz -> gleiches Ergebnis. Oder ?
Nein ! Die Kurve von Drehwinkel zu Kapazität verändert sich stark.
- Ein normaler Drehkondensator ist meist so konstruiert, dass er entweder eine lineare Kapazitätsänderung (SLC) oder eine lineare Wellenlängenänderung (SLW) hat.
- Schaltet man nun dem Drehko (Cvar) einen Verkürzer () in Serie, folgt die Gesamtkapazität der Formel . Diese Funktion ist hyperbolisch.
- Der Effekt: Die Kapazitätsänderung wird zu einem Ende hin (meist bei voll eingedrehten Platten) massiv „gestaucht“. Telefunken nutzte diesen Effekt vermutlich ganz gezielt, um die physikalisch bedingte „Wurzel-Charakteristik“ der Thomson-Formel so zu kompensieren, dass die resultierende Wellenlängen-Skala auf der Frontplatte so verlief, daß der Funker damit effektiv arbeiten konnte.
Ein kleiner Drehko ohne diesen „Serien-Bremseffekt“ hätte eine völlig andere, eventuell viel ungünstigere Skalenverteilung erzeugt.
Der Weg zwischen 0 und 180 Grad wird also durch Verkürzer „verbogen“. Telefunken hat dies wahrscheinlich dürchgeführt, um eine beherrschbare, stabile und harmonisch ablesbare Skale zu bieten, die sich sonst nur aufwendiger realisieren ließe.
Der grafische Vergleich:
Gegeben sei ein Koordinatensystem: X = Drehwinkel 0–180°, Y = Kapazität 840–2.200 pF.
A- „Passgenaue“ Drehkos:
Wenn es sich um einen linearen Drehkondensator handelt, ist die Kurve eine Gerade. Jedes Grad Drehung erhöht die Kapazität um exakt denselben Betrag (ca. 7,5 pF pro Grad). In der Grafik: Eine Diagonale von links unten nach rechts oben.
B - Riesige Drehkos heruntergekürzt:
Hier wirkt die Serienschaltung . Da Cvar (die 20.000-pF-Bank) im Nenner steht, ist das Ergebnis eine Hyperbel. Verlauf: Die Kurve startet bei 840 pF, steigt dann aber nicht linear an. Da der Verkürzer (Cdvk ≈ 2.500 pF) viel kleiner ist als die maximale Bankkapazität (20.000 pF), tritt eine Sättigung ein.
Die Kurve geht anfangs steiler hoch und flacht dann zum Ende hin (Richtung 180°) deutlich ab. 
Dieses Verhalten durch einen speziellen Plattenschnitt eines Drehkondensators darzustellen, ist möglich, aber zu speziell, jeder Drehkondensator dieser Art wäre ein (teures) Unikat, denn diese Methode wurde nur im "E207" angewandt.
Für meinen Nachbau bedeutet das: Wenn die Kondensatoren individuell zusammengestellt werden, entsteht ein elektrisch ausgewogenes System, aber es ist damit zu damit rechnen, dass die Eichtabelle nicht exakt mit der historischen Vorlage übereinstimmt.
Zudem muß ich wahrscheinlich eine Anzahl Paddings plazieren- zweckmäßigerweise auf den Spulen- Grundplatten, und es müssen Steckverbindu8ngen plaziert werden.
Ob das im Original so gemacht wurde, ist nicht bekannt, es ist aber sehr wahrscheinlich, und es ist DIE Methode, um jeden gewünschten Frequenzgang exakt herstellen zu können.
Wenn die Abstufungen innerhalb der Grenzwerte sich ggü. dem einzig bekannten Originalgerät etwas verschieben- kann man das hinnehmen.
Für die Funktion ist das überhaupt kein Hindernis, der "E207" mußte ohnehin als erste Maßnahme eine Eichtabelle mit "seiner" Antenne erstellt bekommen.
Pflicht ist aber die Einhaltung der Bereichs- Eckwerte, reichliche Überlappung und Lückenlosigkeit.
