Frühe Funkstationen

Großfunkstelle Nauen, Gegenstationen Kamina, Togo und Sayville, New York, Telefunken- Zeitung
Hier möchte ich einige der frühen Funkstationen vorstellen, über die ich einige Informationen recherchieren konnte.
Schwerpunkt ist die Empfangstechnik
Das ist ja meine Spezialität.
Über die Sendetechnik wurde schon enorm viel veröffentlicht, die riesigen Funkensender, Maschinensender und Röhrensender sind ja auch kaum zu übersehen, die riesigen "Maschinenraum"- Ausstattungen sind bestens geeignet für Fotos, und auch technisch sind die Sendeanlagen oft bis in die Details bekannt.
Die Empfangsanlagen sind jedoch kaum bekannt.
Oft sind sie irgendwann gegen modernere Anlagen ersetzt worden, die alten Komponenten wurden nur selten eingelagert, sie wurden meist einfach... verschrottet und die Unterlagen vernichtet.
Auf den nächsten Seiten finden Sie einige Informationen zu Stationen, die ich recherchieren konnte. Es gab noch weit mehr Stationen, ich kann nur eine kleinere Auswahl beschreiben.
Dies ist nur eine örtliche Aufzählung, die Betreiber damaliger Station können anderen Staaten angehören, typischerweise damals die Funkstellen von Kolonialmächten. Es gab auch reine Kriegsfunkstellen.
Hier geht es aber nur um die Technik und die Menschen, die mit der Technik umgingen, sofern sich dies recherchieren ließ.
Gerätschaften und ganze Stationen wurden in dieser Zeit haupsächlich von den 2 großen, konkurrierenden Gesellschaften Marconi, USA und Telefunken, Deutschland gebaut/ bereitgestellt.
1907 Großstation Nauen/ Geltow, Deutschland *
1907 Norddeich Funkentelegraphenstation, Deutschland
1909 New York City, USA
1911 Kamina, Togo, Afrika
1911 Sayville, New York, Long Island, USA
1912 Situbondo, Java, Indonesien
1912 Apple Cross, Fremantle, Australien
1913 Daressalaam, Tansania, Afrika
1915 Königs Wusterhausen/ Zehlendorf, Deutschland *
1916 Kristiania Station, Tryvann, Norwegen:
1917 Otter Cliff, Maine, USA
1921 Rocky Point/ Riverhead, N-Y, Long Island, USA *
1921 St. Assise/ Villecresnes, Frankreich *
1924 Grimeton, Schweden
*: Stationen mit "/" haben getrennte Sende- und Empfangsstellen, oft etliche Kilometer voneinander entfernt, die hohen Leistungen und Feldstärken der Sender, welche die Empfänger "dichtmachten" oder beschädigen konnten, erforderten dese Trennung. Die Stationen waren drahtgebunden miteinander verbunden.
1912 waren laut "Telefunken- Zeitung", September 1912, bereits diese Stationen
in Betrieb:
Schweden: Göteborg
Oesterreich- Pola, Sebemco.
Ungarn: Cattaro.
Spanien: Madrid.
Rußland: Batum.
Sumatra Sabang
Australien Sydney, Fremantle
Neuseeland Doubtless Bay, Bluff
Brasilien Para, Manaos, Santarem.
Peru Iquitos, Lima.
Cuba Habana.
Hierzu kommen noch folgende im Bau be-
findliche Großstationen:
Norwegen: Hammerfest, Spitzbergen.
Rußland: Wladiwostok, Charbin,
Chabarowsk.
Weitere Informationen:
Funkstationen 1914, 1921 Nesper - "Handbuch der drahtlosen Telegraphie", S. 4
Bisher errichtete hzw. im Bau begriffene Großstationen.
Die bisher in den verschiedenen wiohtigsten Staaten errichteten funken-
telegraphiachen Großstationen (siehe auch Abb. 1) vorteilen sich im wesent-
lichen wie folgt (C. W. Kollatz):
in Deutschland wurde 1906 die erste Großstation in Nauen errichtet, welche
nach verschiedeneu Umbauten, insbesondere den Vergrößerungsarbeiten von
I918/I919 die wohl heute stärkstee Großstation überhaupt darstellt (tönender
Funkensender, Hochfrequenzmaschine mit ruhenden Transformatoren). Ferner
ist in Deutschland eine zweite nicht ganz so kräftige Großstation in Eilvese
(Hannover) ca. 1912 errichtet worden (Goldschmidtsche Hochfrequenz-
Maschine). Als dritte Station, welche den Hauptverkehrssendezwecken des
Reichspostdienstes nachzukommen hat, ist die Station in Königswusterhaueen
zu erwähnen (Poulsensche Lichtbogensender, Kathodenröhrensender)
In England ist schon 1900 die erste funkentelegraphische Großstation
Poldhu errichtet worden (früher seltene Funken-, später rotierende Funken-
strecke). Es folgte zeitlich tlie Errichtung der Großstation in Clifden (Irland)
und Glacebay (Kanada) (rotierende Funkenstrecke). sowie die Stationen in
Tralee (Irland) und in Carnarvon (welch letztere mit New Brunswick (Vereinigte
Staaten) korrespondiert, (tönende Funken und Taktfunken (ungedämpfte
Schwingung).
Außerdem ist der Ausbau eines großen funkentelegraphischen Netzes nach
Osten und Westen von London vorgesehen. Auf der Ostlinie scheint die Station
Aden in Betrieb genommen zu sein (siehe auch Abb. 1), während die weiteren
Stationen in Colombo, Singapore (Ostindien) und Fremantle (Australien) sich
noch im Ausbauzustand befinden. Hingegen dürfte die Station in Sidney
(Australien) (Taktfunken (ungedämpfte Schwingungen]) fertiggestellt sein. Ferner
sükI in den britischen Kolonien noch zu erwähnen: die Stationen in Malta,
Korfu und Alexandria im Mittelmeer und St. Jones (New Fundland).
In hervorragendem Maße sind in den Vereinigten Staaten von Nordamerika
Oroßstationen angelegt worden. Unter diesen sind besonders folgende be-
merkenswert :
Die schon erwähnte Station in New Brunswick, etwas weiter südlich Sayville
(New York) (Telefunken Hochfrequenzmaschine), weiter südlich Tuckerton
(Goldschmidtsche Hochfrequenzmaschine), ferner Arlington (Washington)
und Anapolis (beide mit Poulsen-Lichtbogen, San Diego (Kalifornien) (Poulsen-
Lichtbogen), sowie in Newcastle {Massachusetts), Chatam (bei Boston), Key
West (Florida), New Orleans (Louisiana), Bolinas (San Francisco) (Poulsen-
Lichtbogen) ; ferner gehören hierzu die Großstationen in Darien (Panama),
in Honolulu (Hawaii) (PouIsen-Lichtbogen), Cavite (Manila) undTutuila (Samoa).
Diese Stationen stehen zum Teil schon in ständiger Verbindung mit Guam
(Mariannen) und Peking (China).
Die südamerikanischen Staaten bestreben sieh gleichfalls in bervonagendera
Maße, drahtlose Großstationen nn/nletren Im Betriebe befinflen sich unter
anderem die Großanlage in Cartagena (Kolumbien), in Manaos und Santa
Catharina (Brasilien), in Buenos Aires (Argentinien) und in Curacao. Im Bau
befindlich bzw. in nächster Zeit in Angriff genommen weiden die Großstationen
Pelmar (Brasilien) und Veronica (Argentinien); letztere angeblich für eine
Antennenenergie von 1100 KW.
In Frankreich benutxt die heute noch kräftigste Station den Eiffelturm
als Antennenträger. Weitere Stationen, die nch bereits im Betriebe befinden
oder demnächst in Betrieb genommen werden sollen, sind: Colomb Bechar
(Fez). Timbuktu (Sudan), Bangui (Zentralafrtka), Djibuti (Somaliküste). Pondi-
chery, Saigon (Indochina), Martinique, Tahiti (Haiti), Avanui (Neuseeland).
Auch in Italien sind einige Großstationen errichtet worden, nämlich in
Coltano (bei Pisa), in Rom und Spezia. Diese arbeiten u. a. auch mit der in
Massaua (Erythrea) errichteten Großstation.
Rußland besitzt Großstationen in Petersburg und Moskau, welche zum
Teil wohl jetzt mit der in japanischen Händen befindlichen Großstation in Wladiwostok korrespondieren. Als kleinere Stationen kommen Reval und Warschau
in Betracht.
Die skandinavischen Länder, Schweden, Norwegen und Dänemark besitzen
Großstationen in Bergen, in Stavanger (der Sender ist in Hullenhaug. der
Empfänger in Jäderen) angeordnet und in Karlsborg, während weitere Stationen
in Boden, Hernosand und Vaxholm errichtet werden sollen.
Spanien hat Großstationen errichtet in Barcelona, Aranjuez (Madrid) und
Coruna, während weitere Großstationen in Sevilla, Cordova, Cadix und Huelva
gebaut werden sollen.
China besitzt Großstationen in Peking und Hongkong.
Japan bat in Funabashi eine Großstation errichtet (tönende Funken).
Portugal besitzt auf den Azoren die Großstation Ponta Delgada.
Femer sind noch folgende europäische Stationen erwähnenswert: Prag
Csepel (Budapest), Bukarest, Osmani (Konstantinopel), Athen.
1921 Nesper - "Handbuch der drahtlosen Telegraphie", S. 15/16
