Sayville- Rekorde und eine einmalige Ton- Aufzeichnung


Telefunken- Station Sayville und ihre Gegenstation Nauen
Reichweiten- Rekord Sayville - Poldhu (England)
Ausschnitt aus der "Telefunken- Zeitung" Dez, 1912, von mir zusammengesetzte und colorierte Karte
Die Sendeanlage für die ersten Rekordversuche
Reichweiten- Rekord Sayville - Nauen (Deutschland)

Bei den Reichweitenversuchen wurde die tonlose Telegraphie mit einem Überlagerer mit der großen "Liebenröhre" hörbar gemacht. 
Die ersten Aufzeichnungen von Funksendungen
1913 fertigte der Amateur Charles Apgar mit Selbstbau- Geräten Auzeichnungen von Funkverbindungen mit der Station Sayville an, Dazu nutzte er den Edison- Phonographen", der Töne auf Hartwachs- Walzen gravierte, und auch wiedergeben konnte.
Es waren die ersten Aufzeichnungen von drahtloser Übertragung von Funksignalen.
Erstaunlich ist die laute und klare Wiedergabe.
Interview C. Apgar mit den Audioaufzeichnungen, ab 10:48




C. Apgar an seiner Funkstation, mit welcher er den Funkverkehr der Station Sayville mitschneiden konnte. (alle Bilder Wikipedia)
Charles Apgar fertigte insgesamt etwa 175 Wachswalzen der verdächtigen Funksprüche an. Nachdem er die Aufnahmen verlangsamt abgespielt und die Botschaften notiert hatte, informierte er täglich den US-Secret-Service. Um die Spionage der Sayville Wireless Station lückenlos zu beweisen, übergab Apgar die Original-Walzen direkt den Regierungsermittlern.
Die Funksprüche wurden von den Behörden untersucht, weil man die von Deutschland gebaute Station in Verdacht hatte, geheime Informationen nach Deutschland zu übertragen. Tatsächlich fand man mit einzelnen Zeichen gefüllte Pausen im Morsecode, was wie unsaubere Gebeweise wirkte- Chiffrier- Experten enttarnten das als geheimen Code. Als dann das (nach heutigen Informationen tatsächlich geheim zusätzlich mit Munition beladene !) Passagierschiff "Lusitania" Mai 1915 vom deutschen U- Boot "U20" abgeschossen und versenkt wurde, wurde Sayville 1917 von der US Navy übernommen, die Experten Zenneck und Braun interniert, siehe Vor- Seite.
Die originalen Wachswalzen von Charles Apgar sind die weltweit ersten aufgezeichneten Funksignale der Geschichte.
Leider sind sie im Lauf der Geschichte verloren gegangen:
Nach der Beschlagnahmung der Funkstation im Juli 1915 blieben die Aufnahmen für viele Jahre unter Verschluss der Regierung.
Im Jahr 1934 erwarb die Rundfunkgesellschaft NBC einen Teil des Materials oder lieh es aus. Im Dezember 1934 wurden einige der Walzen sogar öffentlich in der Lobby des RCA-Gebäudes im Rockefeller Center in New York ausgestellt. Bei einem berühmten Radiointerview am 27. Dezember 1934 spielte Apgar zwei dieser Walzen live im Mikrofon vor.
Nach den Ereignissen von 1934 verliert sich die Spur der Original-Walzen.
In den darauffolgenden Jahrzehnten – vermutlich während oder nach dem Zweiten Weltkrieg – wurden sie in den Archiven entweder schlecht gelagert, durch altersmäßig begründeten Materialzerfall zerstört, oder gingen bei Archivumzügen verloren.
Wachswalzen aus organischem Material (meist Stearinwachsgemische) sind extrem fragil. Sie reagieren empfindlich auf Temperaturschwankungen, Feuchtigkeit (Schimmelbildung) und brechen leicht.
Erhalten blieben jedoch Kopien auf Aluminium-Schallplatten, die 1934 bei dem Radiointerview mit Apgar beim Sender WJZ angefertigt wurden.
Eine Tonbandkopie dieser historischen Aufnahmen wird in der Library of Congress aufbewahrt.
Der Edison- Phonograph, mit dem Musik und Sprache auf Wachswalzen aufgenommen und wiedergegeben werden konnten.
(Bild Zeitschrift rfe" (DDR) Heft 10/1959, ich darf mit freundlicher Genehmigung des Verlags veröffentlichen)
Der Name Apgar ist bis heute nicht vergessen- natürlich durch Charles Apgar, aber viel mehr noch durch seine Tochter, Virginia Apgar (1909–1974), eine US-amerikanische Chirurgin und Anästhesistin, Sie wurde 1949 die erste weibliche Professorin an der Columbia University., New York. 1952 entwickelte sie eine noch heute weltweit gängige Bewertung des Gesundheitszustands Neugeborener, den man nach ihr "Apgar Score" benannte: Fünf klinische Merkmale, leicht merkbar durch die Merkhilfe "APGAR" werden kurz nach der Geburt geprüft:
A: Atmung,
P: Puls (Herzfrequenz),
G: Grundtonus (Muskeltonus),
A: Aussehen (Haut)
R: Reflexe
(Englisch ebenfalls "APGAR": Appearance, Pulse, Grimace, Activity und Respiration)
