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Special 2024- Superhet nach Hans Sutaner wiederentdeckt

 
Der Autor, Hans Sutaner, auf dem Buchumschlag "Wie arbeite ich mit dem Oszillographen", und Fund- Radio, welches nach seiner Bauanleitung gebaut wurde.

Das ist ein besonderer Fund !
Habe ich doch tatsächlich ein Gerät, welches nach einer Bauanleitung des seit den 30er Jahren bis in die 70er Jahre bekannten Autors Hans Sutaner erstellt wurde, im Fundus !

Bekannte Veröffentlichungen von H. Sutaner, die ich selbst habe:
Empfangstechnik:
Artikelserien in der Wochenschrift "Funk"
1934,
und
"Funkschau"1935 und 1947: "Der Einbereichs- Super", 
Bücher:

"Einkreiser" 1955,
"Zweikreiser" 1959,
"Superhet- Empfänger" 1968,
Bauteile, Meßtechnik:
"Das Spulenbuch" 1957,
"Die Wobbelsender", 1962-68
"Wie arbeite ich mit dem Oszillographen", 1967
Weitere Titel, die ich noch nicht habe:
"Meßsender" 1971.
Viele weitere Titel bei Booklooker

Hans Sutaner- ein exzellenter Fachmann über Jahrzehnte.
Da freut es mich besonders, ein Gerät gefunden zu haben, welches nach seiner Bauanleitung gebaut wurde.

Zur Bauanleitung:
H. Sutaner hat im Februar 1954 einen Artikel "AM/ FM- 6-(9)Kreis- Wechselstromsuper SW154" in der DDR- Zeitschrift "Deutsche Funk- Technik" 2/1954 veröffentlicht, das ist die Vorläufer- Zeitschrift der "Radio-Fernsehen", später "Radio- Fernsehen- Elektronik" = "rfe", jeder DDR- Elektroniker kannte sie.

Und in dieser Zeitschrift erschien dann diese Bauanleitung.
Für mich schon eine Besonderheit.

Wolfgang E. Schlegel, von 1972 an bei der "rfe", 1977 bis 2007 deren Chefredakteur, schrieb dazu:
"Damals war es durchaus noch üblich, auch in DDR-Fachzeitschriften "gesamtdeutsche" Autoren zu Worte kommen zu lassen. Die "Deutsche Funk-Technik", "radio und fernsehen" und auch "rfe" guckten immer über den Tellerrand  und versuchten, ihre Leser über die jeweils aktuelle Technik zu informieren. Das war auch das Geheimnis unserer hohen Akzeptanz und der verkauften Auflage von knapp 100 000 Exemplaren (1989)."

Der Bauplan verwendet Spulensatz und UKW- Empfangsteil der DDR- Firma Neumann, auch das ist besonders.

Der Spulensatz ist der AM/FM- Spulensatz "Sp212" mit dem AM- Spulensatz "SP156", das Spulenaggregat selbst ist "VOW 8 t" benannt, das UKW- Empfangsteil ist "U3", mit 2 x 6AC7 (Penthode).
Zu beiden gehören zugehörige Spulen und Filter.

Selbst der Netztrafo ist DDR- Elektronikbastlern bekannt, ein "N102" (Version N102/120Z), ebenfalls von Fa. Neumann, der in vielen Elektronikläden noch bis in die 70er Jahre als Universal- Netztrafo "N102U" (Beschreibung bei Radiomuseum) angeboten wurde, ebenfalls die Netzdrossel und der Lautsprecher- Ausgangsübertrager.

In der "Deutsche Funk- Technik" 09/1954 gab es dann eine ausführliche Beilage der Firma Neumann zu ihren Produkten.
Ich habe diese Beilage, es scheint tatsächlich eine Mitteilung der Fa. Neumann zu sein, mit Anwendungsschaltbeispielen, aber eben auch der Schaltung von H. Sutaner.

Beide Schaltpläne, der des "Deutsche Funk- Technik"- Artikels und der Neumann- Publikation, sowie die realisierte Schaltung des Fundgerätes stimmen exakt überein, sogar die speziell gezeichnete Masseführung "in jeder Stufe nur 1 Erdungspunkt"- die einst Rundfunktechnikern gelehrt wurde- wurde ausgeführt.

D
as Chassis ist optisch weitgehend nach der Bauanleitung angefertigt, es ist handgefertigt, nicht so perfekt, wie man es von der industriellen Massenproduktion her kennt.
Es gibt kleine Unterschiede zum Artikel (schmaler = Tiefe), und andere Auflagen der Unterseite, es ist aber auch keine einfache Arbeit, mindestens nötig wäre eine Abkantbank. Maßlich ist es exakt ausgeführt, es sieht nach der Arbeit eines gut ausgestatteten Handwerkers oder Handwerksbetriebes aus.

Das Gerät ist also ganz exakt nach der Bauanleitung gebaut worden, Chassis und Verdrahtung nach Vorschrift ausgeführt.

Leider ist nicht bekannt, wie dieses Gerät entstanden ist, ob es aus den Händen von Sutaner und dem Redaktionslabor der "Deutsche Funk- Technik", oder auch der Firma Neumann stammte,  ob es ein Techniker einer Radiowerkstatt für sich oder im Auftrag eines Kunden baute, oder ob es ein zusammengestellter Bausatz eines Elektronikhändlers war, den ein Bastler erwarb und baute.



Der Artikel in der "Deutsche Funk- Technik" 2/1954  Großbild
Die Bezeichnung "SW154" bedeutete wahrscheinlich "Superhet für Wechselstrom, 1/1954".



Technische Daten, 3 Kurzwellen, UKW sehr empfindlich, Eigenschaften, die sich sehen lassen können.


 
Das Fund- Radio, leichte Beschädigungen.
Das Gehäuse scheint ein industrielles Produkt zu sein, perfekte
industrielle Bauweise, es ist mir aber nicht von einem Gerät her
bekannt.
Manchmal haben Radiofirmen- Gehäusebau- Abteilungen jedoch
"nebenbei" Gehäuse für Bastler- Eigenbauten hergestellt, die sich
von Seriengeräten etwas unterschieden.
Das mußten sie- sonst hätte es Ärger gegeben, weil man "der Konsum- güterproduktion Material entzieht", bei der immer "auf Kante genähten"
DDR- Wirtschaft zählte jedes Einzelteil.




Innenansicht.
Das Chassis paßt "auf Knirsch" ins Gehäuse, da paßt auf jeder Seite
gerade noch ein Blatt Papier dazwischen.
Vielleicht war es so, daß man das Chassis hatte, und ein Gehäuse
suchte, in welches es eingebaut werden konnte, und dieses Gehäuse
fand, in welches es gerade so eingebaut werden konnte.

Aus der Schallwand ist ein Stück herausgebrochen,
warum, ist unergründlich, wenn dort ein zweiter Lautsprecher,
etwa ein Hochtöner, montiert war, warum ist der dann so heraus-
gebrochen worden ?


Chassis von oben
Chassis herausgenommen


Unbek_Eigenbau_Chassisunterseite
Unterseite, nach Kondensatorentausch, saubere Verdrahtung, sehr
gute Masseführung.


Chassis- Draufsicht des Sutaner- Artikels.
Die auf der Eröffnungsseite des Artikels sichtbare Abstimmanzeigeröhre auf der Skalenfläche ist hier nicht zu sehen, vielleicht eine Vorversion ohne Abstimmanzeige, im Schaltplan ist sie ohnehin gestrichelt -also als Option- eingezeichnet.
Auch optional ist die Verwendung zweier EInzelfilter oder eines Doppelfilters,
hier zwei Filter, gleich rechts neben dem Tuner.


   
Chassis- Draufsicht Edi- Exemplar.
Das Chassis scheint einige Zentimeter schmaler zu sein, aber es hat eine nahezu gleiche Anordnung der Bauteile.
Hier ist nur 1 Filter neben dem Tuner.
Dieses Chassis besitzt eine Abstimmanzeigeröhre,auf dem Fotoe oben vor der Skalen-  Rückwand, sie sitzt nicht in der Skalenfläche, sondern über dem Chassis, in der Schallwand.
Der Ausgangsübertrager ist ebenfalls woanders, auch auf der Schallwand montiert, dafür rückten die Netz- Elkos an diese Stelle.

 


Foto Chassis mit Skale aus dem Artikel



Foto Chassis mit Skale "Edi- Exemplar"


Foto Chassis- Unterseite aus dem Artikel


Foto Chassis- Unterseite "Edi- Exemplar" (vor dem Kondensatorentausch)



Skale, aus dem Scan der beschädigten Skale restauriert, Druckvorlage.


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Schaltung des Artikels 2/1954, von mir umgezeichnet, um mit dem folgenden Schaltplan vergleichen zu können.
Großbild


Schaltung der Beilage 9/1954 Großbild
Beide Schaltpläne sind gleich.

In beiden Plänen ist der AM- Spulensatz "VOW8t"  nicht gezeichnet, nur die hinführenden Anschlüsse.

In der Neumann- Publikation ist der Schaltplan des "VOW8t" im Gesamt- Spulensatz "Sp156" als Baugruppe enthalten, in einer Anwendungsschaltung.


"VOW8t"- Spulensatz: Neumann- Schaltplan des AM- Spulensatzes "Sp156" mit 3 x Kurzwelle, interessant ist hier nur der Spulensatz "VOW8t" an der Mischröhre, innerhalb der Strichel- Linien, in diesem Schaltbeispiel. 
Großbild


"Sutaner- Super" nach der Gehäuse- Restauration

 

 

 

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